Schüleraustausch mit Israel

Schüleraustausch Hamburg - Beer Sheva im zweiten Jahr

Vom 3. bis 11. April reisen wieder Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs des Margaretha-Rothe-Gymnasiums, benannt nach einer Widerstandskämpferin der Weißen Rose, zusammen mit zwei Lehrkräften nach Israel. Neben Ausflügen steht auch intensive Projektarbeit mit gleichaltrigen israelischen Schülern der Neta Erez Waldorf School auf dem Programm. Das Projekt lautet „ Israelisch-deutsche Vergangenheit und Gegenwart in szenischen Collagen: Erforschen – Fühlen – Weitergeben“.

Es sollen Lebenswege einzelner Kriegs- bzw. Nachkriegskinder in Israel und Deutschland erforscht, szenisch dargestellt und diskutiert werden. Die Schüler befragen Zeitzeugen, entwickeln daraus szenische Collagen und besprechen diese nach den Aufführungen. Beide Gruppen bereiten dazu vor dem Besuch die Darstellungen vor.

Zur Vorbereitung der Reise war Karsten Hansen im Februar am Margaretha-Rothe-Gymnasium zu Gast, Sohn des 1944 nach dem Hitler-Attentat hingerichteten Chefs der militärischen Abwehr, Georg Alexander Hansen, der zur Gruppe des 20. Juli gehört hatte. Dieses Zeitzeugengespräch, hatte die Israelaustauschgruppe organisiert. Schülerinnen und Schüler des 10. und 11. Jahrgangs erfuhren anhand der emotionalen biografischen Erzählungen viel über den militärischen Widerstand, über die Verfolgung der Familie nach dem Attentat und auch über das gesellschaftliche Ansehen bzw. die Verachtung, die man in der Nachkriegszeit den Widerstandskämpfern und ihren Kindern entgegenbrachte. Eine Betrachtung der aktuellen politischen Situation schloss das Zeitzeugengespräch ab. Aus einzelnen biografischen Erlebnissen von Karsten Hansen entwickelte die Austauschgruppe kleine Theaterszenen. In Beer Sheva werden sie vorgeführt und besprochen.

Beim Gegenbesuch von 23 israelischen Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs zusammen mit zwei Lehrkräften im Juni wollen wir die Gegenwart betrachten: Wie sieht das Zusammenleben von Israelis und Deutschen heute aus? Inwieweit prägt die Vergangenheit das Miteinander? Welche Perspektiven lassen sich daraus ableiten? Der Austausch 2015 hat deutlich gemacht, dass für eine solche Untersuchung einzig Berlin in Frage kommt. Hier treffen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des deutsch- israelischen Zusammenlebens am deutlichsten aufeinander. Daher wollen beide Gruppen in Berlin lebende Israelis zum Zusammenleben interviewen, gemeinsam das Jüdische Museum und das Holocaustmahnmal besuchen. Aus den dort gewonnenen Erkenntnissen sollen wiederum szenische Collagen zur Gegenwart und Zukunft entwickelt und aufgeführt werden.Besonders dankbar sind die Schüler aus Beer Sheva und Hamburg über die finanzielle Unterstützung durch die Robinsohnstiftung und die DIG Hamburg, ohne die der Austausch kaum möglich wäre. Allerdings sind die Gruppen noch auf der Suche nach Sponsoren für die geplante gemeinsame Berlinexkursion.

Spendenkonto: Schulverein des Margaretha-Rothe-Gymnasiums

IBAN DE86200505501246122079,

BIC HASPDEHHXXX

Zeitzeugengespräch (Schülerbericht)

Am 16.02.16 besuchte Dr. Karsten Hansen das MRG. Er hat sich den Fragen der beiden Interviewerinnen Marlene Goos und Jamila Abdul-Amidu gestellt und seine doch sehr persönlichen Erfahrungen mit Schülern/-innen der 10 Klassen und dem 11. Jahrgang geteilt.

Im Rahmen unseres Israelaustauschs veranstalteten wir, die Israelaustauschgruppe, das Zeitzeugengespräch. Denn wir werden einige seiner Erzählungen in Szenen übertragen und in Israel aufführen.

Das Zeitzeugengespräch fand mit Dr. Karsten Hansen (Jahrgang 1938) satt. Er erinnerte sich an seine Vater, den Widerstandskämpfer Georg Alexander Hansen. Oberst Hansen gehörte zu den Hitler-Attentätern vom 20. Juli 1944. Er wurde am 8. September 1944 im Zuchthaus Plötzensee hingerichtet.

Auf Grund der Tatsache, dass Dr. Karsten Hansen zur Zeit der Hinrichtung seines Vaters sechs Jahre alt war, konzentrierte er sich vor allem auf die letzten zwei Kriegsjahre und die Nachkriegszeit bei seiner Schilderung. Vor allem an das Fallen von Bomben und die überall aufgehängten Soldaten erinnere er sich noch immer. Diese habe er nie vergessen und hatten einen maßgeblichen Einfluss und Prägung auf sein weiteres Leben.

Er begann das Gespräch, indem er anfing über Vorbilder zu sprechen.

„Ein Vorbild ist ein Leben lang eine Hilfe, wenn Sie Probleme haben oder in Not sind.“

Sein Vater war für ihn ein Vorbild. Wahrscheinlich sein größtes Vorbild, obwohl er erst spät die Tat seines Vaters und die Entscheidung, die sein Vater damals traf, nachvollziehen konnte. Doch letztendlich ist er froh gewesen, dass sein Vater sich für diesen Weg entschieden hatte. Es war die Entscheidung zwischen Familie und Heimat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf die Frage, ob Hansen wie sein Vater gehandelt hätte, konnte er keine klare Antwort geben. Dies fand Dr. Karsten Hansen schwer zu sagen. Denn einerseits ist er natürlich sehr stolz auf seinen Vater und sein Handeln und ist froh, dass sich sein Vater für den Widerstand entschieden habe, denn dadurch ist er für Hansen auch zu einem Vorbild geworden, war ihm eine lebenslange Hilfe und hat ihn immer wieder motiviert und überzeugt, wie wichtig Stärke und Durchhaltevermögen sind. Dadurch, dass man wiederum große Angst um seine eigene Existenz hatte, passte man sich ja damals dem NS-Regime an. Der Terror darf dabei auch nicht vergessen werden. Da lebend durch zu kommen wäre sehr unwahrscheinlich gewesen und hätte Hansen dann wahrscheinlich doch davon abgehalten, wie sein Vater zu handeln.

Doch nicht nur diese schrecklichen Erinnerungen, sondern auch die Demütigungen, denen sich Hansen als Sohn eines Hitlerattentäters stellen musste, prägten ihn stark. Dr. Karsten Hansens Bruder wurde 1944 in der Klasse aufgerufen und musste aufstehen. Der Lehrer zeigte auf ihn und sagte: „ So sieht der Sohn eines Verräters aus.“ Die SchülerInnen des MRGs waren schockiert. Doch nicht alle Lehrer waren gegen ihn oder seinen Bruder. So berichtete Dr. Karsten Hansen: „50% der Lehrer waren für und 50% waren gegen mich“. Seine Jugend war also nicht nur schlecht. Hansen selber sagte sogar, dass er eigentlich eine schöne Jugend gehabt hatte. Doch die Angst, die der Vater um seine Familie hatte, muss riesig gewesen sein. Um die Kinder zu schützen und psychisch über Wasser zu halten, hatte die Mutter, nachdem der Vater am 8 September 1944 hingerichtet wurde, ihren Kindern gesagt, dass der Vater bestimmt wieder kommen würde, obwohl ihr klar war, dass er längst tot war.

Er selbst erzählte nur ungern das Schicksal seines Vaters seinen Mitschülern, da die meisten Väter seiner Mitschüler beim Militär umkamen und militärischer Widerstand als Verrat galt.

Aber nicht nur die damalige Zeit, sondern auch die heutige Zeit wurde thematisiert. Denn die Probleme gerade in Bezug auf Flüchtlinge und Fremdenhass wachsen stetig. Auf die Frage, ob vor allem rechte Parteien heutzutage eine wirkliche Gefahr darstellen, sagt Hansen, dass die Hauptmasse der Deutschen Flüchtlinge akzeptieren würden und der menschliche Verstand nicht einfach abgelegt würde, wodurch die Situation momentan noch gefahrlos sei. Allerdings müsse das Volk anpacken, damit rechte Parteien an Boden verlieren und keine neuen Spannungen geschürt werden. Denn laut Hansen gab es doch schon immer Völkerwanderungen, was sogar das Beispiel Jesus zeige. Denn sogar er wanderte nach Betlehem, obwohl er dort nicht herkam. Also sollten auch wir Akzeptanz haben und diese zeigen.

Abschließend konnten die Schüler noch Fragen an Herrn Hansen stellen, die er dann versuchte zu beantworten. Hier wurden vor allem genauere Nachfragen zu einigen Situationen seines Lebens gestellt.

Insgesamt kann man sagen, dass es ein sehr gelungenes Zeitzeugengespräch war. Es wurden interessante Aspekte genannt und persönliche und emotionale Momente mit den SchülerInnen des MRGs geteilt. Wir als Israelgruppe können auf jeden Fall viele Punkte mitnehmen und für unser Israelprojekt verwenden. Dies war eine große Hilfe und hat aber auch unseren Horizont erweitert.

An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön!

Chiara Paul und Morssal Rahimi

 

Austausch 2015

Gegenbesuch in Hamburg im Juni 2015

Eine Woche lang kamen Schüler und Lehrer der Neta Erez Waldorf School aus Beer Sheva zum Gegenbesuch nach Hamburg. Die Freude war groß, denn seit der Reise nach Israel im März waren die intensiven Kontakte via Internet nicht abgebrochen. Die israelischen Schüler waren bei den Hamburger Schülern untergebracht, denen sie ihre Gastfreundschaft im März angeboten hatten. Sprachschwierigkeiten gab es dabei nicht, da alle in ihrer ersten Fremdsprache Englisch kommunizierten. Sehr viele Unternehmungen wurden gemeinsam erlebt, so Tretbootfahren auf der Alster, Wandern im Alstertal und natürlich das Shoppen in der Innenstadt. Die Hamburger Schüler führten ihre Gäste durch die Ausstellung im Hamburgmuseum "Juden in Hamburg". Zusammen wurde an dem Projekt "Meine Kultur - Deine Kultur" gearbeitet und eine Säule gestaltet. Zusammen lernten die Schüler Hamburg kennen und auch Berlin stand zweitägig auf dem Programm. Es wurde vereinbart, auch zukünftig diesen netten und freundschaftlichen Austausch mit Oberstufenschülern fortzuführen.

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MRG Schüler und Lehrer in Israel Vom 16. bis 25. März 2015 reiste eine Gruppe des Margaretha-Rothe-Gymnasiums nach Israel und begründete die Partnerschaft mit der Neta Erez School in Beer Sheva. Bei den israelischen Schülerinnen und Schülern waren unsere Schüler, die aus dem 11. Jahrgang kommen, untergebracht. Alle sind dort sehr nett aufgenommen worden. Schüler und Lehrer haben sich sehr gut verstanden und Freundschaften geschlossen. Gemeinsam standen u.a. Kennenlernspiele, Stadtbesichtigung mit Fallafelessen, Besuch des Abrahammuseums, Eisessen, Ausflug in die Wüste mit Besichtigung der Ausgrabungsstätte Mamshit, Kamelreiten, sportliche Aktivitäten in der Schule, Schulunterricht und eine Shabbatfeier auf dem Programm. Außerdem wurden Interviews zum Austauschthema „Meine Kultur, Deine Kultur“ aufgenommen. Besonders die private Unterbringung vertiefte die Kontakte zwischen den Schülern und auch zwischen den Lehrern.

Hier ein Schülerbericht vom Ausflug in die Wüste:
Die Wüste von Beer Scheva
Nachdem wir den Abend bei unseren Gastfamilien verbracht haben und deren Kultur aus einer anderen interessanten Perspektive erlebt haben, mussten wir nach einer Nacht mit wenig Schlaf früh raus.
Auf dem Plan stand Besichtigung der Wüste inklusive eines Kamelritts. Bei den Aussichten fiel uns das Aufstehen also nicht schwer und wir waren froh, dass uns der Gastvater mit seinem eigenen Reisebus zum Bahnhof brachte.
Als wir am Hauptbahnhof ankamen, hatten wir wahrscheinlich alle erst mal ein unwohles Gefühl. Schon am Flughafen trafen wir auf ein paar vereinzelte Soldaten mit Gewehren, doch am Hauptbahnhof war jede zweite Personen bewaffnet und sie gingen meist ganz entspannt an Geschäften vorbei. Schon am Vorabend hatten wir uns mit unseren Gastschülern über die Armee unterhalten. Wir wussten auch schon, dass es so viele junge männliche wie weibliche Soldaten gibt, die mehr Stolz als Angst in sich tragen. Trotzdem dauerte es eine gewisse Zeit, bis man sich an diese Umstände gewöhnt hat und eine andere Person erlangte schnell unsere Aufmerksamkeit. Ein Mann mittleren Alters mit einer Kippa auf dem Kopf und einer Waffe in der Hosentasche stieg in unseren Schulbus. Die Israelis schienen ganz desinteressiert und entspannt. Wir „Deutschen“ wunderten uns schon, wieso jemand einfach so in unseren Bus steigen darf. Es stellte sich heraus, dass dieser ein Security-Mann war, der uns die ganze Zeit folgen musste.
Unseren ersten Stopp machten wir mitten im Nichts, man konnte aus dem Bus nur eine Ruine und ein relativ modernes Häuschen erkennen. Alle hatten gehofft, dass wir an diesem Tag durch die in der Wüste herrschende Hitze braun werden. Als der Busfahrer uns aber darauf aufmerksam gemacht hat, dass man sich warm anziehen soll, waren wir zunächst etwas traurig. Es war tatsächlich relativ kühl und jeder Sonnenstrahl hat und dann umso mehr gefreut. Die Ruinen, auf denen wir uns bewegten, lagen direkt an einer Schlucht, auf dessen Grund Spuren eines Flusses zu sehen waren. Der Ehemann der israelischen Lehrerin erzählte uns dann, dass das Wasser des Flusses nur zweimal im Jahr durch die Schlucht fließt und was es mit dem einsamen Mann und Schafen auf dem gegenüberliegenden Hügeln zu tun hat.

Nachdem wir dann zurück im Bus waren, fuhren wir zu einem anderen Teil Wüste, wo dann das Highlight war: Kamelreiten. Wir gingen zu zweit auf ein Kamel und unsere Kamele wurden dann in einer Kette hintereinander zusammengebunden. Mit den Kamelen haben wir eine Stunde lang einen Rundgang gemacht, der an manchen Stellen einer Schifffahrt auf einer Barkasse ähnelte. Nachdem wir dann wieder zurück beim Platz waren, wo sich die anderen Kamele in der Sonne entspannt hatten, konnten wir noch in einen Souvenirladen. Dort gab es selbstgemachte Seife aus Kamelmilch, wobei manche Leute sich bei dem Schriftzug "chamel milk soap" schon auf eine Kamelsuppe gefreut hatten. Als dann genügend Souvenirs gekauft waren, stiegen manche also hungrig zurück in den Bus und fuhren in eine andere Wüste.

An einem schönen Plätzchen an einem kleinen Fluss haben wir dann aber nichts anderes gemacht als die Sonne zu genießen und israelische Köstlichkeit zu essen. Das war nach der Anstrengung am Vormittag sehr entspannt und wir verbrachten dort einige Stunden. Kurz vor unserem Aufbruch haben wir noch streng gläubige Juden entdeckt wobei uns ein Austauschschüler dazu einige religiöse Regeln erklärt hat.

Als wir am Nachmittag zurück in die Familien fuhren, hatten wir genug Freizeit, um in Einkaufszentren zu gehen und uns von unseren Gastgeschwistern herumführen zu lassen. Zu Hause gab es riesige selbst gemachte Pizzen und dazu typisch israelische Limonade, von der wir gar nicht genug bekommen konnten.
Am Abend haben wir uns dann mit unseren Gastgeschwistern und deren Freunde aus der Schule amüsiert. Dieser Tag wird uns genauso wie die ganze Reise immer in toller Erinnerung bleiben.
Rica Artus
Gizem Karakoyun

Nach dem Aufenthalt in Beer Sheva unternahm die Gruppe dann von Netanya am Mittelmeer aus Sightseeingtouren nach Haifa, Nazareth, See Genezareth, Massada, das Tote Meer und Jerusalem. Im Juni werden die Schüler aus Beer Sheva zu einem Gegenbesuch in Hamburg erwartet.

Werte unseres Schullebens

Wertschätzung und Toleranz
Gemeinschaft und Teamgeist
Verantwortungsbewusstsein
Leistungsbereitschaft